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Stellungnahme zur Absage des Lebenslaute-Konzerts im Kunstmuseum wegen Kritik an Vonovia durch die Stadt Bochum

Das Bochumer Netzwerk »Stadt für Alle« kritisiert die Absage des Konzerts „Viva la Musica – enteignet Vonovia“ durch das Kunstmuseum Bochum und ruft dazu auf, sich an der musikalischen Ersatzkundgebung zu beteiligen.

„Es ist Pflicht der Stadt und ihrer Kultureinrichtungen, gesellschaftliche Debatten zu schützen und zu ermöglichen, statt die Kunstfreiheit zu einzuschränken“, sagt Rainer Midlaszewski vom Netzwerk Stadt für Alle. „Beim Vonovia-Award für Fotografie hatte die Stadt offensichtlich kein Problem damit, wenn Vonovia im Titel einer Kunstmuseums-Veranstaltung genannt wird. Dem umstrittenen Konzern einerseits Räume für Marketing zur Verfügung zu stellen, aber andererseits zu versuchen, ihn vor berechtigter Kritik zu schützen, ist peinlich und einer demokratischen Gesellschaft unwürdig.“

Der für Freitag, den 7. August angekündigte Auftritt des Orchesterprojekts Lebenslaute war als zentraler Bestandteil einer Aktionswoche unter dem Motto „Wohnen ist Gemeingut – Eigentum verpflichtet (Art. 14 GG)“ geplant. Zusammen mit weiteren Bündnispartnern ruft das Bochumer Netzwerk Stadt für Alle zu der Aktionswoche auf. Die Veranstaltung war vom Kunstmuseum bestätigt und bereits auf der Website des Museums angekündigt. Der Plan: Ein Konzert mit klassischer Musik und Redebeiträgen zu Wohnungsnot, Verdrängung und dem Geschäftsmodell großer Immobilienkonzerne. Die jetzt durchgesetzte Absage wertet das Netzwerk als Zeichen für eine fehlende Distanz der Stadtverantwortlichen zu Europas größtem Mietpreistreiber.

Begründet hatte das Museum die Raumkündigung unter anderem damit, dass im Veranstaltungstitel Vonovia genannt werde. Außerdem könne nicht ausgeschlossen werden, dass „es sich bei Ihren Ausführungen um Verleumdungen und üble Nachrede handelt“. Das Netzwerk Stadt für Alle hält das für konstruiert und vorgeschoben. „Noch leben wir in einem Rechtsstaat, in dem künstlerische Kritik, Zuspitzung und Polemik sogar viel weiter gehen dürften als alles, was wir bereit wären mitzutragen“, sagt Rainer Midlaszewski. „Man muss keine Juristin sein, um zu wissen, dass es Quatsch ist, aus der bloßen Namensnennung eines mächtigen Konzerns ein strafrechtliches Risiko abzuleiten. Die Kritik an Vonovia ist keine Erfindung und keine Verleumdung, sondern Gegenstand einer breit dokumentierten wohnungspolitischen Auseinandersetzung.“

Der in Bochum ansässige Vonovia-Konzern ist Europas größter Wohnungsvermieter. Seit Jahren steht er in der Kritik, unter anderem für strategische und teilweise rechtswidrige Mieterhöhungen, Verstöße gegen die Mietpreisbremse, überhöhte Heizkostenabrechnungen und profitgetriebene Luxussanierungen. Im Bochumer Korruptionsverfahren wurden im Januar 2026 zwei ehemalige Vonovia-Manager sowie weitere Konzernbeschäftigte zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt; Mieterorganisationen verlangen nun Aufklärung darüber, ob überhöhte Rechnungen mittelbar auf Mieter*innen umgelegt wurden. In Berlin hat bereits im Jahr 2021 ein Volksentscheid zur Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne eine Mehrheit erhalten. Der Titel der von der Stadt Bochum nun abgesagten Konzertveranstaltung bezieht sich auf diese demokratische Entscheidung.


Das eigentlich für den Saal des Kunstmuseums geplante Konzert mit Wortbeiträgen der Initiative Lebenslaute findet jetzt am Freitag, dem 7. August um 19 Uhr neben dem Kunstmuseum auf dem Goetheplatz statt.

Mehr Infos zur Initiative Lebenslaute und zum Konzertverbot unter: www.lebenslaute.net

Veröffentlicht in Stadt für Alle