Pressemitteilung: Das Bochumer Netzwerk »Stadt für Alle« begrüßt den Vorstoß von Sandra Gagliardi, Geschäftsführerin von Bochum Marketing, das bisherige C&A-Gebäude in der Bochumer Innenstadt in Wohnraum umzubauen. Die Stadt soll Konzepte ausloten, wie das bisherige Kaufhausgebäude gemeinwohlorientiert entwickelt werden kann, schlägt das Netzwerk vor.
Die Modekette C&A wird in wenigen Tagen seine Filiale in der Kortumstraße schließen. Das ist für die Mitarbeitenden, denen nun gekündigt wurde, dramatisch. Es ist auch ein Verlust für Menschen, die nicht mit dem Auto in den Ruhrpark fahren können, um schnell ein paar neue Socken oder eine Bluse fürs Bewerbungsgespräch zu kaufen. „Angesichts der Krise klassischer großflächiger Einzelhandelskonzepte muss Bochum neu darüber nachdenken, wie wir den wertvollen Innenstadtraum nutzen wollen“, sagt Jan Diers vom Netzwerk Stadt für Alle. „Ein besonders drängendes Thema sind fehlende bezahlbare Wohnungen. Der Vorschlag Gagliardis, das Gebäude zu Wohnraum umzubauen, ist daher in unseren Augen ein Schritt in die richtige Richtung.“
Die wohnungspolitisch Aktiven weisen jedoch darauf hin, dass in unserer Stadt immer wieder am Bedarf vorbei geplant werde. „Wenn Neubauten entstehen, deren Miete beim Dreifachen des durchschnittlichen Bochumer Mietpreises liegt, dann nützt das den Menschen nichts, die dringend eine bezahlbare Wohnung suchen“, so Diers weiter. „Das hat auch mit den Eigentumsverhältnissen zu tun. Bochum braucht Wohnraum, der gemeinwohlorientiert bewirtschaftet wird. Darunter verstehen wir Wohnungen in einer Trägerschaft, deren Ziel es nicht ist, eine möglichst hohe Rendite zu erwirtschaften, sondern dauerhaft sozialverträgliche Mietpreise zu garantieren.“
Lünen, Köln, Paderborn: Von guten Ideen lernen
Ob die ehemaligen Hertie-Gebäude in Berlin-Moabit und Lünen (Umbau der Hertie-Immobilie in Lünen) oder die Kaufhof-Filialen in Trier, Paderborn (Neugestaltung Kaufhof Paderborn), Krefeld und Hannover: Beispiele für solche Umnutzungen zu Wohnraum gibt es viele. In Lünen wurde das Projekt mit Unterstützung der Stadt von einer lokalen Wohnungsbaugenossenschaft umgesetzt. In Köln-Porz kaufte die Stadt selbst die bisherige Hertie-Immobilie, um dort Wohnungen zu bauen (Neue Mitte Porz). Im ehemaligen Kaufhof in Paderborn entstehen durch Aufstockung aktuell Wohnungen, die zu hundert Prozent mietpreisgebunden, öffentlich gefördert und barrierefrei sind.
„Bochum sollte sich solche Projekte genau anschauen und ihre positiven Aspekte kombinieren“, sagt Jan Diers. In den Augen von »Stadt für Alle« wäre das eine große Chance zur Metamorphose der Bochumer Innenstadt. Besonders Menschen ohne Auto würden von dem zentralen Standort und kurzen Wegen profitieren. Das gilt auch für ältere und junge Menschen, die nicht mehr oder noch nicht so mobil sind, und für alle, die Sorgearbeit leisten: Ob Schule, Kita, Bücherei, Lebensmittel, Park, alles ist schnell und sicher erreichbar.
„Außerdem beleben Menschen, die dort wohnen und ihrem Alltag nachgehen, die Innenstadt auch nach Ladenschluss“, sagt Jan Diers. „Wenn reine Einkaufsstraßen abends zu leeren Orten werden, fühlen sich viele dort nicht wohl. Ehemalige Konsumtempel zu Wohnraum umzubauen kann auch verhindern, dass die Innenstadt ein trostloser und unsicherer Ort wird.“ Eine vom Netzwerk Stadt für Alle durchgeführte nicht repräsentative Befragung von knapp 150 Besucher:innen der Innenstadt aus dem Jahr 2024 zeigte in die gleiche Richtung. Das Ergebnis: Die Menschen wünschen sich mehr von der Innenstadt als Konsum und Handel.
Auch BVZ zu Wohnraum umbauen
Das bisherige C&A-Gebäude in der Kortumstraße ist dabei nicht der einzige Ort, an dem in Bochum bezahlbarer Wohnraum in bisherigen Funktionsbauten entstehen kann. Bereits vor zwei Jahren hat etwa der Architekt Lennard Flörke ein Konzept für die Nachnutzung des von Abriss bedrohten Bildungs- und Verwaltungszentrums (BVZ) vorgelegt: Der Entwurf sieht vor, im Gebäude hundert Sozialwohnungen einzurichten und mit öffentlicher Infrastruktur wie zum Beispiel einer KiTa und einer Kantine zu kombinieren. »Stadt für Alle« hat den Entwurf hier dokumentiert.

